· 

Von der Hybris des Heilens

Ein schwieriges, aber sehr wichtiges Thema, wie ich finde.

Jeder, der in irgendeiner Art mit "Heilen" zu tun hat, wird sich früher oder später mit dem Begriff des Heilens näher auseinandersetzen müssen.

Patienten gehen oftmals, wie selbstverständlich davon aus, dass der Therapeut "macht", sie wieder "gesund macht" und geben ihre gesundheitliche Verantwortung an den Therapeuten ab. Wenn dann die Therapie nicht anschlägt, "taugt" der Behandler ganz einfach nichts und auf geht's zum nächsten Spezialisten.

 

Andererseits werden übernatürliche Erwartungen an die "Götter in weiß" gestellt..."Der Herr Professor (Doktor) wird's schon wissen..."

Diese Sichtweise erschwert den Blick auf das Wesentliche: Dass nämlich einzig und allein der Patient selbst in der Lage ist, sich zu heilen.

Im günstigsten Fall herrscht ein vertrauensvolles Patient-Therapeut-Verhältnis, in dem der Patient die volle Verantwortung für seine Gesundheit/Heilwerden übernimmt und der Therapeut ihn nach bestem Wissen und Gewissen auf dem Heilungsweg begleitet, den Patienten mögliche Heilungswege aufzeigt.

NIEMALS heilt der Behandler, immer ist es der Patient, der im günstigsten Fall mit Hilfe seines Therapeuten seine Gesundung in die richtige Richtung lenkt.

Der Behandler fungiert lediglich als Vermittler, liefert Anstöße, sei es in psychologischer und/ oder medikamentöser Hinsicht.

Wenn sich letztendlich der ersehnte Heilungserfolg einstellt, wird dies einzig und allein meist dem therapeutischen Können des Behandlers zugeschrieben.

Ich will damit keinesfalls das Wissen, das Vermögen der Einflussnahme auf den Patienten und dessen Gesundung in Frage stellen. Beide - sowohl Patient, als auch Therapeut - bilden zusammen einen "Heilungsraum". So möchte ich es mal nennen...

Entscheidend für eine Heilung ist dabei aber immer, dass der Patient mit dem vom Therapeuten vorgeschlagenen Heilungsweg übereinstimmt und generell bereit ist, alle Schritte auf dem Weg zur Heilung selbst zu gehen.

Heilung zu ermöglichen, ist eine Gnade, weniger menschliches Können oder gar intensives Wollen.

Wie oft hört man Aussprüche von Therapeuten, wie "ich habe diesen oder jenen Patienten von seiner Krankheit geheilt...". KEIN Therapeut der Welt -  und mag er noch so belesen sein und erfolgreich behandeln - vermag es, einen Patienten zu heilen. Heilen kann immer nur der Patient sich selbst.

 

Gerade im Bereich des "Geistigen Heilens" trifft man nicht selten auf "Persönlichkeiten", die sich nahezu Jesus gleichstellen und mit ihren "Heilerkräften" hausieren gehen. Vor solchen, meist selbst ernannten "Meistern", ist nur zu warnen.

Demut ist eine seltene Gabe. Wer dem Menschen dienen möchte, besonders in gesundheitlicher Hinsicht, sei geraten, seinen persönlichen "Heilungs-WILLEN" ganz hinten anzustellen.

Dabei unterscheide ich zwischen WOLLEN und WOLLEN.

Ich kann Heilung für den Patienten WOLLEN im Sinne von "ich wünsche mir, dass der Patient Heilung erfahren möge, so denn Gott will". In diesem Sinne ist es ein demütiges Wollen, eher ein beseelter Wunsch, der in Erfüllung gehen kann oder auch nicht.

Die zweite Interpretation des WOLLENS ist ego-gesteuert und meint soviel wie "Ich WILL unbedingt, dass der Patient gesund wird." Dabei sieht sich der Therapeut als Heilsbringer, der es schaffen muss, Heilung zu bewirken, um vor sich und dem Patienten sein Gesicht wahren zu können. Dieses WOLLEN ist eher marsianisch geprägt. Eine ausbleibende Besserung/ Heilung wird als Niederlage und NICHT-KÖNNEN gewertet.

 

Kürzlich stieß ich wieder auf eine Text-Passage in dem Buch "Magnetismus - das Urheilmittel" von Rudolf Thetter, der viele Jahre seines Lebens als Magnetiseur gearbeitet hat.

Die nachfolgenden Zeilen machen mehr als deutlich, worauf es ihm beim Heilen ankommt:

"Die Krankheiten heilt nicht der Mensch mittels seines bewussten Geistes, sondern das  Göttliche, Unbewusste im Menschen...alles, was der erfindsame Geist seit Jahrhunderten erlernt hat, um - wie gesagt -Krankheiten zu heilen, beschränkt sich doch nur auf die Beschaffung der zweckmäßigen Mittel, um die Aufgabe jenes göttlichen Unbewussten zu erleichtern, zu fördern, ja mitunter überhaupt zu ermöglichen...."

 

Und weiter schreibt er:

"Mit einem Male stand die Erklärung vor meiner Seele: Die Kraft hatte zu wirken begonnen, als ich, der Verzweiflung hingegeben, völlig willenlos war. Mein zu intensiver Helferwille war bei der bisherigen Behandlungsart Hindernis gewesen. ...Ich muss Verstand und Willen zum Schweigen bringen, wenn ich an einen Kranken herantrete....Ich lenkte meinen Willen...nicht mehr auf den Kranken, sondern auf mich selbst, um mein persönliches Meinen und Denken möglichst zur Gänze auszuschalten."

 

Dies empfinde ich als hervorragende Haltung auch in Hinblick auf eine heilmagnetische Behandlung. Nicht ICH, als Behandler, MACHE, sondern ES geschieht bzw. DARF GESCHEHEN.