· 

Homöopathie (wieder einmal) im Kreuzfeuer der Kritik

Diesen Artikel schreibe ich aus aktuellem Anlass. Wie vermehrt in letzter Zeit, wird die Homöopathie in negativem Licht dargestellt. Kürzlich erschien ein Artikel eines (Kinder-)Arztes auf DocCheck, der sich über die immer wieder geführte Diskussion zur Unwissenschaftlichkeit der Homöopathie ausließ.

Hauptargument war, wie so oft der substantielle Mangel an Wirkstoff aufgrund der Verdünnungen in der Homöopathie.

Des weiteren wurde explizit das v.a. in der Kinderheilkunde bei Mittelohrentzündungen gern eingesetzte homöopathische Kombinationsarzneimittel "Otovowen" zunichte gemacht mit der Begründung, es fehle an ausreichender Wirksubstanz, die Studienlage sei desolat, da nicht "doppelblind, randomisiert und placebo-kontrolliert. Die wissenschaftliche Studienlage fordere vielmehr eine "wait-and-see"-Strategie, da eine Ohrenentzündung meist viral bedingt nach 2-3 Tagen ohnehin spontan abheilen würde. Die Gabe eines Homöopathikums würde sich somit erübrigen und nur Kosten verursachen. Soweit ein kurzes Resumee dazu.

 

In einem Zeitraum von fast 25 Jahren als klassisch homöopathisch arbeitende Therapeutin tätig, ging dieser Artikel nicht spurlos an mir vorbei.

Insofern war es mir ein dringendes Anliegen, Behauptungen im Artikel richtig zu stellen und meine Meinung frei dazu zu äußern.

Nachfolgend könnt Ihr gerne meine Stellungnahme dazu lesen:

 

"Ich frage mich ernsthaft: Was soll dieser Artikel bewirken? Geht es um reine Rechthaberei, um Argumentationen contra die Homöopathie, weil es gerade – wieder einmal - „en vogue“ ist?

Es wird dabei immer mit den gleichen abgedroschenen Floskeln, wie „fehlender bzw. unzureichender Molekülnachweis“, fehlende (ordentliche) „placebo-kontrollierte, doppelblinde, randomisierte Studie“, reiner Placeboeffekt usw. argumentiert.

Ich bezweifle eine konstruktive Auseinandersetzung des Autors mit dem Wirkprinzip der Homöopathie, da dieses mitnichten bei der Verdünnungstheorie endet.

 

Deshalb meine wohl berechtigte Frage an den Verfasser:

Wie lange haben Sie sich selbst ernsthaft mit der homöopathischen Primärliteratur beschäftigt?

Wie kommen Sie darauf, „placebo-kontrollierte, randomisierte, doppelblinde Studien“ als „Stein der Weisen“ zu betrachten, wo doch heutzutage allgemein bekannt ist, wie auslegbar und korrumpierbar  Studien-Ergebnisse sind?

Dazu ein lesenswerter Artikel: https://www.aerzteblatt.de/archiv/41130/Klinische-Studien-und-Statistik-Von-der-Wahrscheinlichkeit-des-Irrtums

 

Apropos Placebos: Heute weiß man – dank ordentlicher Studien ;-) – dass diese sehr wohl nachprüfbare, biologische Prozesse im Körper auslösen können. Wieso also die Homöopathie, und sei sie „nur“ Placebo, verteufeln?

 

Was mich bei dem Ganzen allerdings tatsächlich stört, ist die Tatsache, dass hier am Menschen vorbei diskutiert wird. Was nützen sämtliche Rechthabereien, wenn damit dem Patienten nicht wirklich ein Dienst erwiesen wird?

 

Stellen Sie sich bitte folgende Situation vor:

Eine Mutter kommt mit ihrem kranken, vor Schmerz schreienden Kind, in die Praxis. Es wird eine unkomplizierte Otitis media diagnostiziert.

  1. Szenario: Als wissenschaftlich  denkender und handelnder Arzt (Therapeut) teilen Sie der Mutter mit, sie müsse sich nicht sorgen, denn Studien zeigten, dass  Ohrentzündungen in 60 – 70% ohne Zutun innerhalb von 2-3 Tagen  abheilen würden und schicken die verzweifelte Mutter nach der „wait and see“-Strategie mit ihrem kranken Kind nach Hause.
    (Die Mutter ist sicherlich sehr dankbar für Ihre wissenschaftliche Aufklärung und nimmt so gerne das stundenlange Schreien und nächtelange Durchwachen in Kauf... nach dem Motto:    Ich seh' mein Kind und mich so gerne leiden)
  2. Szenario: Sie sehen das schreiende Kind und die mit den Nerven am Ende befindliche  Mutter, klären über den Krankheits-Befund auf und verordnen ein passendes Homöopathikum. Die Ohrenschmerzen lassen nach Verabreichung des Arzneimittels innerhalb weniger Stunden nach oder verschwinden womöglich ganz.

Schlimmste Vorstellung, die Diskussion:

Ist die Besserung dem Homöopathikum, einem Placebo-Effekt oder dem natürlichen Heilungsverlauf geschuldet? Was letztendlich leider nicht wissenschaftlich bewiesen werden kann.

 

Aber: Was spricht grundsätzlich dagegen, ein (vermeintlich) „nicht-wirksames homöopathisches Arzneimittel“ als quasi positiven psychologischen Faktor einzusetzen? Denn wo „keine Wirkung“, da bekanntlich auch keine Nebenwirkung. Wo also bitte liegt das Problem???

 

Oder täusche ich mich und meine mich an Todesfälle  in der Presse zu erinnern, die vermeintlich durch Homöopathie hervorgerufen wurden?  (Münsteraner Kreis etc.?) Hmm...schlimm, schlimm... was so ein „Nichts an Wirksubstanz“ doch alles anrichten kann... ?

 

Vielleicht wäre ganz einfach nur ein Stück weit Pragmatismus und Realitätssinn angebracht.

 

Fakt ist: Die Homöopathie genießt einen ausgezeichneten Ruf, v.a. bei Müttern mit kleinen Kindern.

Ist das Kind krank, wird sich eine Mutter nicht mit einer „wait and see“-Strategie abspeisen lassen.

Stichwort: Patientenbindung!

Also, was tun? Ein Antibiotikum „umsonst“ verschreiben und teure Folgekosten für die Darmsanierung der Familie aufs Auge drücken?

Ein Schmerzmittel verordnen? Kommt bei den Müttern sehr gut an... :-(

Dritte Option: Ein „Nichts“ (sprich Homöopathikum) für „kosta fast nix“ empfehlen und Frau Mutter ist beruhigt. Im ungünstigsten Fall wirkt das „Placebo“ dann leider auch noch. ;-)

 

Die gegenseitigen Lager können sich gerne noch die nächsten 100 Jahre anfeinden und sich um „richtig oder falsch“ streiten… ein Sieg für das Ego, eine Tragödie für den Hilfe suchenden Menschen.

 

Mein Vorschlag: Warum nicht einfach „künstliche Intelligenzen“ als  Mediziner der Zukunft einsetzen? Das wäre doch medizinisches know-how in Reinform und könnte den Wissenschaftler von heute problemlos ersetzen.

 

Und: Immer schön locker bleiben! Es geht ja schließlich um „NICHTS“ ;-)"

 

Ein Wort zum Schluss:

Um eines richtig zu stellen. Mir geht es hier nicht um Anklage. Jeder soll seine persönlichen Ansichten frei äußern dürfen. Nur, wenn ein Thema zur öffentlichen Diskussion wird und Tatsachen verfälscht, nicht ordentlich recherchiert, wie in besagtem Artikel, wiedergegeben werden, nur um eine Therapieform nieder zu machen, finde ich eine korrektive Stellungnahme für notwendig.

Seit Jahren oder mittlerweile sogar Jahrzehnten wird die Verdünnung als Kriterium für die Wirksamkeit bzw. gesicherte Unwirksamkeit der Homöopathie herangezogen. Typisches Beispiel: Der Tropfen im Bodensee o.ä.

Dies zeigt, dass bei dieser Sichtweise eine echte Auseinandersetzung mit der Homöopathie nie stattgefunden hat. Denn es geht um etwas ganz anderes...wer sich wirklich die Mühe macht, die entsprechenden Schriften zu STUDIEREN, wird der reinen Verdünnungstheorie Lügen strafen.