
Nachdem wir im ersten Artikel gesehen haben, wie Ursache und Wirkung unser Leben bestimmen, wenden wir uns nun der Frage zu, ob es wirklich Zufälle gibt – oder ob alles seinen Platz in der Gesetzmäßigkeit von Ursache und Wirkung hat. Die Texte stammen original aus meinem Buch „Der Pickel auf meiner Stirn“ (2016).
Alles Zufall oder was? – Teil 2
„Was einem Menschen widerfährt und wann, ist charakteristisch für ihn. Kein Zufall, sondern eine Notwendigkeit.“ – C.G. Jung
Wer sich mit den kosmischen Gesetzmäßigkeiten vertraut macht, kommt zu dem Schluss, dass es in der Tat keine Zufälle gibt.
Wie definieren wir Zufälle? Zufälle sind vordergründig nicht erklärbare, merkwürdig anmutende Geschehnisse, die sich ad hoc nicht in die Gesetzmäßigkeit Ursache – Wirkung einordnen lassen.
Carl Gustav Jung definierte Zufall als „Koinzidenz zweier oder mehrerer, nicht kausal aufeinander bezogener Ereignisse, welche von gleichem oder ähnlichem Sinngehalt sind.“
Will man seinen Worten Glauben schenken, dann geht er sogar so weit, anzunehmen, dass in jedem Menschen schon die Bereitschaft oder der geheime Wunsch im Inneren vorhanden ist, diesen Zufall in sein Leben zu ziehen.
Hinter jedem Ereignis, und sei es ein Zufalls-Ereignis, steht eine Gesetzmäßigkeit.
So wie nach dem Winter naturgesetzmäßig der Frühling folgt und diesem wiederum der Sommer, so beschreibt der Zufall entsprechend ein Vorkommnis, welches in uns schon angelegt ist.
Zur Veranschaulichung möchte ich ein Beispiel aus meinem eigenen Leben bringen:
Ich war Anfang 20 und hatte gerade ein Praktikum als Kosmetikerin in einer Schönheitsfarm in Baden-Baden abgeschlossen. Mein Ziel war eine mehr medizinisch orientierte Tätigkeit in einer Hautarztpraxis. So nahm ich mir während eines 1-wöchigen Urlaubs in München vor, diverse Hautarztpraxen aufzusuchen. Damals, zu Beginn der 90er Jahre, war das Internet noch ein mir unbekanntes Medium, um auf Stellensuche zu gehen.
Deshalb nahm ich mir kurzerhand die Gelben Seiten zur Hand, markierte alle mir, für meine Zwecke, wichtig erscheinenden dermatologischen Praxen und machte mich mit meinen Bewerbungsunterlagen auf Jobsuche. Einer von zahlreichen Hautärzten, die ich vergeblich konsultierte, gab mir den Tipp, es doch bei der Praxis XY zu versuchen.
Es war um die Mittagszeit, als ich diese erreichte, das heißt zu einer Zeit, in der Praxen in der Regel geschlossen sind. Ich klingelte und eine Mitarbeiterin öffnete die Tür. Nachdem ich meinen Standard-Spruch:
„Ich wollte mich nur erkundigen, ob Sie eine medizinische Kosmetikerin suchen…“ losgeworden war, fragte mich die Dame an der Tür:
„Kommen Sie von sich aus?“, worauf ich erwiderte: „Ja, wieso?“
Sie entgegnete: „Gerade vor einer halben Stunde hat unsere medizinische Kosmetikerin gekündigt. Kommen Sie doch bitte herein.“
So saß ich wenig später dem Professor gegenüber und es war nicht einmal eine weitere halbe Stunde vergangen, da hatte ich meinen neuen Arbeitsvertrag in der Tasche.
War das nun Zufall? Ich behaupte aus heutiger Sicht: Nein. In meinem Unterbewussten war ich unumstößlich davon überzeugt und glaubte felsenfest daran, dass ich eine mir entsprechende Arbeitsstelle finden würde. Dieser unerschütterliche Glaube kam nun im Außen, im Alltag als gesetzmäßige Entsprechung zum Ausdruck.
Positive Glaubenssätze unterstützen uns dabei, unser Leben in die Richtung zu lenken, die wir uns wünschen. Demgegenüber stehen unzählige Glaubenssätze, die uns daran hindern, das zu verwirklichen, was wir uns in Gedanken so schön ausgemalt haben. Sobald wir diese Widerstände in uns aufspüren, können wir selbstverständlich daran arbeiten und die kontraproduktiven Glaubenssätze in positive verwandeln. Dazu mehr im zweiten Teil dieses Buches, der sich mit der praktischen Umsetzung im Alltag befasst.
Wir neigen dazu, angenehme Zufälle, wie den soeben beschriebenen, in unserem Leben jederzeit willkommen zu heißen und akzeptieren diese bereitwillig: Die unverhoffte Gehaltserhöhung, die plötzlich auftretende Glückssträhne. Alles scheint uns auf einfache Weise zuzufallen.
Und dann sind da auf der anderen Seite die Arten von Zufällen, die wir gerne von der Hand weisen und am liebsten nicht mit uns selbst in Verbindung bringen möchten. Da hören wir von Erzählungen, dass Leute von einem Moment auf den anderen ihr gesamtes Vermögen verlieren, in einen Unfall verwickelt sind, der ihr Leben von jetzt auf gleich total auf den Kopf stellt.
Solcherart Ereignisse – wir bemühen dann oftmals den Begriff Schicksal – scheinen jenseits unserer Vorstellungskraft zu liegen, dass diese tatsächlich mit uns in Zusammenhang stehen könnten.
Wenn wir bereit sind, auch hierfür die Ursachen in uns selbst zu ergründen und etwas daran zu ändern, können wir weitere unschöne Zufälle vermeiden.
Sie fragen vielleicht zu Recht: „Wie bitte soll ich mich noch ändern können, wenn ich beispielsweise nach einem schweren Unfall im Koma liege, mich in einer Verfassung befinde, die mir nicht mehr erlaubt, aus vollem Bewusstsein Änderungen vorzunehmen?“
Ich denke, dass in einem solchen Fall tatsächlich höhere Zusammenhänge herangezogen werden müssen, die im Bereich des Karma angesiedelt sind. Selbst wenn wir oder enge Familienangehörige solche Schicksalsschläge nicht mit bloßem Verstand erfassen können, heißt das nicht automatisch, dass das Ereignis als solches nicht ursächlich mit uns in direktem Zusammenhang steht.
Dass in diesem tragischen Zufall die gleiche Gesetzmäßigkeit am Werk ist wie im positiv gelagerten Fall, können wir nicht leugnen. Im Kosmos herrschen unumstößliche Gesetzmäßigkeiten. Wäre ein Zufall tatsächlich ein unberechenbares Ereignis, wie oft vermutet, würde der Kosmos in ein Chaos stürzen.
Und um es noch einmal mit Einsteins Worten zu formulieren:
„Das, wobei unsere Berechnungen versagen, nennen wir Zufall.“
Ausblick auf Teil 3: „Geschichten, die das Leben schreibt“
Im nächsten Teil dieser Serie nehme ich dich mit auf eine Reise durch spannende, reale Geschichten – von historischen Begebenheiten bis zu persönlichen Erlebnissen –, die eindrucksvoll zeigen, wie Ursache und Wirkung in unserem Alltag wirken. Diese Geschichten werden dir helfen, das bisher Gelesene praktisch zu verankern und zu erkennen, wie sich Gesetzmäßigkeiten in konkreten Situationen ausdrücken.