🖤 Lizzy – oder wie leise Vertrauen wächst und wie brutal es enden kann

Dieser Blogartikel ist anders als alle bisherigen. Es geht nicht um Gesundheit. Auch nicht um Spiritualität. Es geht um Menschlichkeit oder vielmehr um FEHLENDE Menschlichkeit.

Ich muss einfach mein Herz ausschĂĽtten. Sorry….

Mein Lebensgefährte und ich fahren regelmäßig auf unser GrundstĂĽck nach Istrien. Dort besuchen uns seit Jahren die unterschiedlichsten (Halb-)Wildkatzen. Wir fĂĽttern sie auch, wenn sie zu uns kommen. Viele raten davon ab… ich bring das aber nicht ĂĽbers Herz, denn ich sage mir, wenn diese Wesen schon so ein hartes Leben haben, dann sollen sie wenigstens die wenige Zeit bei uns die schönste Zeit ihres Lebens verbringen.

Seit ĂĽber 1 Jahr kommt regelmäßig ein Trio zu uns („Die 3 von der Tankstelle“, wie wir sie liebevoll nennen). Wir haben den Kater Elmo „getauft“, die Matriarchin Katinka und deren Tochter (wir denken, dass es die Tochter ist…) Lizzy. Elmo und Katinka lassen sich von uns leicht streicheln. Katinka will nach dem Futter immer auf dem SchoĂź kuscheln. Das genieĂźt sie sehr. Und ja, die Lizzy ist etwas scheu, aber sie hat sich während der letzten Aufenthalte sehr gemausert. Traute sich sogar OHNE Katinka auf meinen SchoĂź…!

Nun gut. Der letzte Aufenthalt nun war anders. Wir kamen am Samstag Nachmittag an und ich wollte gleich nach den Dreien rufen, als Katinka schon in der Einfahrt auftauchte. Ich war ĂĽberglĂĽcklich, sie zu sehen. Kurz darauf folgte Elmo. Nur Lizzy fehlte noch. Das war eher untypisch, da Katinka und Lizzy meist im Doppelpack aufkreuzten.

Am nächsten Tag machte ich mir schon etwas Sorgen, dass Lizzy noch immer nicht aufgetaucht war. SchlieĂźlich erschien sie unvermittelt auf der Terrasse und begrĂĽĂźte sofort Katinka. Ich war sehr erleichtert, sie zu sehen. Denn die 3 gehören einfach zusammen… und wenn einer fehlt…?? Das geht ĂĽberhaupt nicht…

Die Freude währte aber nur kurz, als ich bemerkte, dass Lizzy hinkte. Sie konnte auf ihrem linken Vorderlauf nicht auftreten und humpelte auf 3 Beinen. Sie erinnerte mich fast an ein Känguruh. Mein Herz blutete, sie so humpeln zu sehen. „Unsere“ kleine Lizzy!! Uns war sofort klar, dass wir ihr helfen mussten. Und so bemĂĽhten wir das Internet, um herauszufinden, an wen wir uns am besten mit „unserer“ Wildkatze wenden sollten. An eine Auffangstation oder gleich Tierarzt? Wir telefonierten mit einer befreundeten Tierärztin in Deutschland. Sie riet uns erst zur Auffangstation…

Am nächsten Morgen fuhren wir gleich nach Pula zu der besagten Adresse fĂĽr „Streunerkatzen“. Leider gab es diese Auffangstation dort nicht. Google-KI hat da wohl „halluziniert“. Also fuhren wir zum nächstgelegenen Tierarzt und erklärten dort den Vorfall. Wir erhielten einen Käfig, um Lizzy „einzufangen“ und transportieren zu können, was sich wirklich als höchstdramatische Aktion entpuppen sollte.

Während Elmo (unser „kleiner“ Tollpatsch) auch OHNE Futter in den Käfig kroch, machte Lizzy einen weiten Bogen darum. Sie roch wohl den „Braten“. Lange Rede, kurzer Sinn: Mit größter „Kraftanstrengung“ (damit meine ich Tricks, Zeitaufwand etc.) schafften wir es letztendlich, Lizzy am Mittwoch-Morgen mit Futter in den Käfig zu locken. Sie geriet sofort in Panik, tobte im Käfig und versuchte zu fliehen. Sie tat uns so dermaĂźen leid!! Aber es ging nicht anders. Wir wollten ihr ja helfen!! SchlieĂźlich beruhigte sie sich etwas und wir brachten sie zum Auto.

Während der Autofahrt sprach ich beruhigend auf sie ein, dass jetzt alles gut werden wĂĽrde…sie miaute und legte sich dann auch hin.

Als wir in der Tierarztpraxis ankamen, erklärte uns die Tierärztin, dass sie Lizzy erst sedieren und dann röntgen müssten etc. Sie würde uns dann am Nachmittag Bescheid geben, was mit Lizzy wäre und wie weiter vorzugehen wäre.

Wir fuhren zurĂĽck und waren die ganze Zeit ĂĽber sehr angespannt. Keiner konnte sich wirklich auf seine Arbeit konzentrieren. Das mit Lizzy ging uns wirklich sehr nah. SchlieĂźlich kam der Anruf…die Nachricht schockierte uns: Lizzy war angeschossen worden. Das Projektil steckte in ihrer linken Schulter. Offensichtlich hatte die Munition auch das Ellbogen-Gelenk so touchiert, dass dieses nicht mehr funktionsfähig war.

Angeschossene Wildkatze in Istrien

Laut Tierärztin konnte das Bein nicht gerettet werden. Es blieb nur die Amputation!! Wir brachen in Tränen aus. Lizzy und 3 Beine?? Wie in aller Welt sollte sie mit 3 Beinen in den Wäldern Istriens ĂĽberleben? Auf keine Bäume mehr klettern, ihre Freiheit ausleben…sie mit nach Deutschland zu nehmen war uns nicht möglich. Leider gibt es in Istrien (bzw. Pula) auch keine Aufnahmestation fĂĽr Katzen mit Behinderung. Wir hätten auch die Wundversorgung nicht einmal durchfĂĽhren können. Denn Lizzy wäre mit 100 % Sicherheit kein 2. Mal in den Käfig gegangen, um sie weitere Male zum Tierarzt bringen zu können. Ein Verbleiben in der Klinik war nicht möglich… nach dem langen Telefongespräch mit der Tierärztin mussten wir die schreckliche Entscheidung treffen, unsere ĂĽber alles geliebte Lizzy einschläfern zu lassen.

Wir fuhren abermals nach Pula zur Tierarztpraxis. Lizzy war laut Angaben der Tierärztin wach. Als wir sie zu Gesicht bekamen, war sie jedoch bereits sehr stark sediert und lag in einer Katzenbox. Uns blutete das Herz! Wir sprachen mit ihr und streichelten sie durch das Gitter der Katzenbox. Es blieben uns ca. 10 Minuten zum Abschiednehmen. Dann kam die Tierärztin und verabreichte die finale Injektion. Wir heulten wie die Schlosshunde…die sĂĽĂźeste, aller sĂĽĂźen Lizzys war von uns gegangen mit ihren gerade wohl einmal 2 Jahren. Und WIR mussten ĂĽber ihr Leben bzw. ihren Tod entscheiden. Es war einfach nur schrecklich! Unfassbar schrecklich!

Wir nahmen Lizzy mit zu unserem GrundstĂĽck und begruben sie im Wald, wo sie sich immer aufhielt. Sie war ein wertvoller Begleiter in unserem Leben.

Natürlich waren wir uns immer bewusst, dass die Katzen nach unserer Rückkehr nach Istrien vielleicht nicht mehr bei uns auftauchen könnten. Überall lauern Gefahren für diese Wesen. Und es ist auch ein Teil der Natur, was wir respektieren (müssen). Was wir aber nicht tolerieren und gänzlich widerwärtig und abartig finden ist die Tatsache, dass Katzen einfach abgeknallt werden.

Ich konnte die folgenden 2 Tage nicht einmal den Namen „Lizzy“ aussprechen, ohne dass mein Lebensgefährte sofort in Tränen ausbrach. Diese Unmenschlichkeit erschĂĽtterte uns bis aufs Mark.

Nachbarn meinten, wir sollten das nicht so emotional nehmen. Lizzy war wie ein Mitglied unserer Familie geworden und uns zutiefst ans Herz gewachsen. Wie sollten wir da nicht emotional reagieren? Selbst wenn sie „nur“ eine Wildkatze war: sie hat(te) genauso eine Daseinsberechtigung wie jedes andere Tier…

AllersĂĽĂźeste Lizzy! Wir werden dich nie vergessen…

Lizzy_Wildkatze in Istrien. Angeschossen.

Foto: Lizzy mit lädiertem Bein

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